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Wintersportclub Kassel e.V.

Radtour 2019

 Oder -Neiße-Radtour 2019 von Zittau bis nach Anklam

Samstag, der 22.06. Die diesjährige WSC-Radtour begann mit einer erfreulich reibungslosen Anfahrt nach Zittau. Nach 8½ Stunden Bahnfahrt und 3 maligem Umsteigen checkten Antje, Erika, Helga, Doris, Erich, Joachim, Werner, Wolfgang und Manfred im Hotel „Schwarzer  Bär“ ein. Mit dem sehr guten Abendessen und einem anschließenden Stadtrundgang endete dieser erste Tag.

Sonntag, der 23.06 Pünktlich um 09.20 Uhr, nach dem umfangreichen Frühstück, ging es auf die Räder. Entlang der Neiße mit Ziel Rothenburg, vorbei an den regionaltypischen Umgebindehäusern in Hirschfelde fuhren wir durch das idyllische Neißetal, an dessen Ende wir das barocke Kloster St. Marienthal vor Ostritz erreichten. Den Halt nutzten wir, um den sehr schönen Kirchenraum inmitten des Klosters zu besichtigen. Weiterfahrt am Berzdorfer See entlang nach Görlitz. Kurzer Abstecher über die Altstadtbrücke auf die polnische Seite, von der man den schönsten Blick auf die St. Peter-und-Paulkirche auf der deutschen Seite hat. Am Marktplatz Mittagsrast in einem kleinen Eiscafé. Auf guten Radwegen, anfangs direkt an der Neiße und der gegenüber liegenden polnischen Grenze durch freies Gelände und kleine Wäldchen, erreichten wir nach 73 Kilometern Rothenburg. Problemloses Einchecken in die von einer Cubanerin gepflegte moderne Pension Cubana. Für das Abendessen hatte die Wirtin einen Kleinbus organisiert, der uns hinunter zu einer Rafting-Anlegestelle und Freiluftgaststätte an die Neiße brachte. Bei gegrillter Bratwurst, Steaks, Kartoffelsalat und Faßbier genossen wir die zünftige Umgebung. Anschließend brachte uns der Kleinbus zurück und wir schlossen diesen Tag im Innenhof der Pension mit einem Weinumtrunk ab.

Montag, der 24.06. Ausgeruht und frisch gestärkt ging es auf die nächste Etappe mit Zielort Forst. Anfangs auf Radwegen neben der Bundesstraße, dann weiter durch waldreiches wechselhaftes Gelände mit zum Teil (unerwarteten) heftigen Anstiegen. Nun wieder entlang der Neiße erreichten wir Bad Muskau. Hier ging es natürlich erst einmal zum Schloß im Fürst-Pückler-Park (Weltkulturerbe). Wir fuhren nach kurzem Blick auf das rot-weiße, zum Teil von Wasser umgebene Schloß zur Orangerie, wo wir im Café einen großen Tisch ergatterten und unter anderem natürlich ein Fürst-Pückler-Eis probierten. Glücklicherweise im Schatten, denn die Sonne meinte es bereits sehr gut. Nach diesem Halt ging es zunächst durch den Park über die Neiße-Brücke auf die polnische Seite und am nördlichen Ende wieder zurück auf die deutsche Seite. Wieder direkt an der Neiße und somit der Grenze entlang, auf deutscher Seite mit schwarz-rot-goldenen und auf der polnischen Seite mit rot-weißen Pfählen gekennzeichnet. Kleine Anstiege und Abfahrten wechselten sich ab und vor dem Ort Zelz verließen wir Sachsen. Auf guten asphaltierten Neiße-Deichwegen bei leichtem Gegenwind erreichten wir „Forst“ in Mecklenburg-Vorpommern und somit das Hotel Haufe nach 79 km. Auch hier freundlicher Empfang durch den Hotelchef. Nachdem die Fahrräder in der Garage verstaut waren, der erste große Durst auf der Terrasse gestillt war, wurde das Abendessen im Garten serviert. Müde und zufríeden schloss sich die verdiente Nachtruhe an.

Dienstag, 25.06. Ein gutes Frühstück, ein freundlicher Abschied und Sonne pur. Nach einer ungewollten Runde finden wir den direkten Weg zu unserem heutigen Ziel „Eisenhüttenstadt“. Auf Deichwegen bei wechselhaftem Gegenwind kommen wir dennoch gut voran. Aber es wird immer wärmer und somit fahren wir durch eine schattenspendende Waldstrecke, die wir allerdings mit einer langen Steigung erkaufen müssen. So erreichen wir etwas verspätet den Ort Guben, wo wir die Mittagsrast mit Eis und kühlen Getränken genießen. Weiter auf Deichwegen und bei hohen Temperaturen fuhren wir nach Ratzdorf, wo die Neiße in die Oder mündet. Vom erhöhten Wasserstandshäuschen haben wir einen schönen Blick auf die Neißemündung und die Oder. Dann setzen wir unsere Fahrt fort, um nach 6 km eine Umleitung nehmen zu müssen, die uns nach Neuzelle führt. Hier nutzen wir die Gelegenheit und besuchen das Kloster und die Stiftskirche St. Marien, eine imposante restaurierte Anlage mit einer wunderschönen Aussicht in die umgebende Landschaft. Zufällig treffen wir den örtlichen Pfarrer, der uns in der kleinen vor dem Kloster gelegenen ev. Kirche Interessantes über das Kloster und die Gemeinde erzählt. Weiter geht es der Umleitung folgend nach Eisenhüttenstadt, wo wir dank eines ortskundigen Radfahrers zügig unser Hotel erreichen. An der Bar erholen wir uns mit durststillenden Getränken und das Abendessen sorgt für gute Stimmung, die durch das Angebot der Wirtin, den nahegelegenen Kirchturm besteigen zu können, noch verbessert wurde. Sie gab uns den Schlüssel und dann ging es eine abenteuerliche Wendeltreppe den Kirchturm hinauf zur Plattform. Die schöne Rundumsicht auf die Stadt, den Oder-Spreekanal, die Oder und das fast stillgelegte Eisenhüttenkombinat entschädigte für die anspruchsvolle Tagestour nach 77 km.

Mittwoch, 26.06. Abfahrt um 09.00 Uhr bei hohen Temperaturen. Wieder auf guten Deichwegen, die kein Ende nehmen wollen durch die weiten Oderauen. Eine Landschaft, die unberührt wirkt. Doch vor Frankfurt a.d.Oder müssen wir den Radweg an der verkehrsreichen Bundesstraße nehmen. Schnell finden wir das Café Diana, wo uns der nachgereiste Hans-Georg schon erwartet. Vor allem viel trinken bei den hohen Temperaturen ist angesagt. Weiter geht es nun aus Frankfurt heraus gleich mit einer langen Steigung und dem Radweg neben der Bundesstraße bergauf und bergab bis Lebus, dann wieder Deichwege entlang der Oder bei wechselhaften Gegenwinden. Wir fahren durch den Oderbruch, geprägt von weitläufigen Auen, Deichen und Notdeichen, die aufgrund der zum Teil katastrophalen Oderhochwasser (besonders 1997)  gebaut wurden. Bei Reitwein kurze Erholungspause. Dabei lesen wir auf einer Tafel, das hier Marschall Schukow den Sturm auf Berlin 1945 befahl. Erstmals nehmen wir heute Quartier auf der polnischen Seite der Oder. In „Kostrzyn“, vorbei an der alten Festung, finden wir das Hotel Bastion. Nachdem wir unsere Räder etwas abenteuerlich in einem schmalen Raum untergebracht hatten, ging es zum Abendessen in das dazugehörige Restaurant – ganz hervorragend und preiswert als Lohn für die 74 Kilometer. Auch diesen Tag haben wir mit einigen Problemen durch die enorme Hitze gut überstanden.

Donnerstag, 27.06. Heute ist es bewölkt mit etwas Sonne und nicht mehr so warm. Angenehm, denn 88 km liegen vor uns, daher die Abfahrt bereits um 08.30 Uhr. Zunächst zurück auf die deutsche Seite und wieder auf- oder unterhalb der Deiche durch weitläufige Auen bei heftigem Seiten- und Gegenwind. Vorbei am ersten kleinen Oderhafen in Groß Neuendorf machen wir Mittagspause in Zollbrücke. Wir sind nun im Unteren Odertal. Wieder weitläufige Auen und ein nicht endenwollender Radweg. In diesem idealen Vogelschutzgebiet sehen wir Grau-, Fischreiher und Störche. Nun kommen wir unserem Zielort „Schwedt“ immer näher und haben das Hotel Altstadtquartier gegen 17.30 Uhr erreicht. Das sehr gute Abendessen haben wir uns verdient. Die lustige, nette Bedienung im Restaurant „Brauwerk“  sorgte für gute Stimmung.

Freitag, 28.06. Um 08.30 Uhr verlassen wir den hübschen und gepflegten Ort Schwedt bei angenehmen Temperaturen mit Ziel „Stettin“. Wir fahren entlang dem „Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserkanal“ und befinden uns nun im  „Nationalpark Unteres Odertal“.  Der Weg nach Mescherin, unserem nächsten Ziel, erweist sich als sehr abwechslungsreich mit Steigungen im bewaldeten Gebiet. Die dort vorgesehene Mittagspause fällt aus, da kein Restaurant geöffnet hat. So beschließen wir, die Mittagspause auf der rechten Oder-Seite im polnischen Ort „Gryfino“ (ehemals Greifenhagen) zu machen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten finden wir ein Restaurant an der stark frequentierten Ortshauptstraße. Dort erhalten, wir dank einer deutsch sprechenden Bedienung, ein gutes und preiswertes Essen. Gestärkt nehmen wir den letzten Streckenteil in Angriff. Dies war auch gleichzeitig ein Angriff auf unsere Kondition, Geduld und Nerven. Denn bald mussten wir feststellen, dass die erwarteten Radwege keine waren, sondern strapaziöse Holperstrecken mit Kopfsteinpflaster und Schlaglochasphalt. Weiter will ich die noch folgenden Kilometer nicht beschreiben. Irgendwie erreichten wir dann doch Stettin, ohne aber noch vorher recht mühselig unser Hotel nach 81 km zu finden. Nach dem Abendessen raffen wir uns noch zu einem Stadtrundgang auf, bewundern den Hafen und einige eindrucksvoll restaurierte Gebäude (aus deutscher Vergangenheit) in dieser sehr schön gelegenen Stadt.

Samstag, 29.06. Gut erholt nehmen wir die Etappe nach Ueckermünde in Angriff. Stettin macht es uns nicht leicht, aus der Stadt herauszufinden. Zahlreiche Baustellen verwirren und hemmen unser Weiterkommen. Endlich sind wir auf der Ausfallstraße, fahren der Grenze entgegen und sind froh, dass wir wieder auf deutschen Radwegen flott vorankommen. Kurzer Halt in Blankensee. Hier beobachten wir eine Storchenfamilie mit zwei Jungen. Nach einem heftigen Anstieg mit anschließender langer Waldfahrt erreichen wir Hintersee. Hier stärken wir uns mit Currywurst und Pommes. Auf einer sehr gut zu fahrenden ehemaligen Kleinbahnstrecke erreichen wir Ludwigshof. Von dort fahren wir  wieder einen nicht endenwollenden Waldweg, der schön schattig ist. Hinter Rieth machen wir Halt und besteigen den dort gut postierten Aussichtsturm, von dem wir einen schönen Blick auf den Neuwarper See, mit links dem deutschen und rechts dem polnischen Ufer, haben. Weiter geht es vorwiegend auf Waldwegen nach Bellin. An einem kleinen Strand mit lebhaftem Badebetrieb gönnen wir uns einen Imbiss. Nur noch ein paar Kilometer und wir erreichen mit 73 Kilometern auf dem Tacho „Ueckermünde“ am Stettiner Haff und unser Hotel „Am  Markt“ mitten in der Stadt. Ein Top-Haus, wo wir vor dem Hotel (Marktplatz)  zu Abend essen. Danach machen wir einen Rundgang durch den schönen Ort mit interessantem Rathaus und kleinem Hafen.

Sonntag, 30.06. Früh machen wir uns auf den Weg zur letzten Etappe, denn um 11:08 Uhr fährt unser Zug in Anklam ab, um per Bahn die Heimreise anzutreten. Aus den vorgesehenen 29 km wurden dann doch einige Kilometer mehr, die uns aber nicht daran hinderten, pünktlich am Bahnhof in Anklam zu sein. Leider war diese Heimfahrt doch schwieriger als erwartet. So mussten wir insgesamt sechsmal umsteigen, da wir, aufgrund von Baustellen und Verspätungen, in Halle nicht mehr den durchgehenden Zug nach Kassel erreichten, und somit  erst um 00.16 Uhr also nach 13 Std Bahnfahrt am Kasseler Hauptbahnhof ankamen. Von hier kamen aber alle wohlbehalten auf eigener Achse durch das nächtliche Kassel zu Hause an.

PS: Diese Radtour nimmt unter den vielen WSC-Touren eine Sonderstellung ein. Immer im Angesicht der geschichtsträchtigen Grenze zu Polen durchquerten wir Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern von Süd nach Nord. Wir sahen und hörten so einiges über die Folgen der deutschen Einigung im Positiven wie auch im Negativen für die dortige Bevölkerung – freuten uns über die Gastfreundschaft und die guten Unterkünfte.
Alle bewältigten die Tour trotz teilweise tropischer Temperaturen und schwierigen Fahrbedingungen. Das Pedelec bewährte sich dabei bestens, aber ein Kompliment an unsere Radfahrer “ohne Rückenwind“. Großer Dank an Wolfgang für die Organisation und Führung dieser Tour.                                                                                                                           
mw.